Presseinformation über die Informationsveranstaltung
der BUND-Gruppen Engen und Mühlhausen-Ehingen
am 27.11.2002 in der "Sonne" in Engen
Kommen auf unsere Region in den nächsten
Jahrzehnten verstärkte atomare Gefahren zu? Erhöht
sich das Risiko für unsere Kinder und die nachkommenden
Generationen? - Axel Mayer, Geschäftsführer beim
BUND-Regionalverband
in Freiburg, beantwortete diese Frage auf einer Informationsveranstaltung
der örtlichen BUND-Gruppe in der Engener "Sonne"
zum Thema "Atommüll vor unserer Haustür?"
mit einem ganz klaren "Ja". Und er überzeugte
seine zahlreichen Zuhörer, indem er sie über die
Pläne der Schweiz aufklärte, in 24 km Luftlinie
von Engen und 20 km von Mühlhausen-Ehingen und Welschingen
entfernt ihr Endlager für hochradioaktiven Atommüll
einzurichten. Er wies darauf hin, dass der südlich
von Schaffhausen gelegene Ort Benken, der in Augen der NAGRA,
der Nationalen Genossenschaft zur Lagerung radioaktiver
Abfälle, als einziger möglicher Standort in der
Schweiz übrig geblieben ist, durch seine Rheinnahe
Lage bei einem Unfall zur Gefahr für sämtliche
Rheinanlieger bis nach Rotterdam werden könnte. Die
NAGRA habe in der Schweiz nicht nur die Aufgabe nach einem
geeigneten Endlagerstandort zu bohren, sondern auch die
politische Akzeptanz herzustellen und verharmlose dabei
die Gefahren in der Öffentlichkeit. Neben bis zu 2
Mio. Franken jährlich für Öffentlichkeitsarbeit
werde mit Beruhigungsgeldern das Wohlwollen der betroffenen
Gemeinden und Kreisen erkauft. Bei aller Notwendigkeit für
ein atomares Endlager hält Axel Mayer den geplanten
Standort in Benken für absolut ungeeignet, da die geologischen
Bedingungen am Hochrhein in keinem einzigen Punkt den von
der US-Atombehörde formulierten Maßgaben entsprechen.
Insbesondere sei auch die Dicke der ins Auge gefassten Opalinustonschicht
mit 100-150 Meter für ein atomares Tieflager, in dem
die gefährlichsten und langlebigsten Gifte der Menschheit
aufbewahrt werden sollen, viel zu dünn. Für den
BUND-Regionalgeschäftsführer stellt sich die Frage,
ob im zusammenwachsenden Europa die gefährlichsten
Anlagen weiterhin an den nationalen Grenzen gebaut werden
dürfen, ohne dass die Bevölkerung auf der anderen
Seite an den Entscheidungen beteiligt wird. "Demokratie
und Mitsprachemöglichkeiten dürfen im Atomzeitalter
nicht an den Grenzen der Nationalstaaten enden", meinte
er. Axel Mayer kritisierte in diesem Zusammenhang auch die
kürzliche Entscheidung des Schweizer Ständerates,
der der Bevölkerung des betroffenen Kantons keine Volksabstimmung
über dieses wichtige Thema zubilligt, als nicht angemessen
für die "Vorbilddemokratie" Schweiz. Die
direkte Demokratie werde eingeschränkt, um das Atommülllager
durchzusetzen. Möglicherweise sei die Schweiz zu klein
für die schwierige Aufgabe, so dass nur eine Internationalisierung
der Endlagerfrage möglich sei.
In der anschließenden Diskussion war
die Betroffenheit der Zuhörer über die drohenden
Gefahren spürbar. "Warum gibt es nicht mehr Widerstand
bei uns und aus der Schaffhauser Region?" "Wie
kann die breite Öffentlichkeit besser darüber
informiert werden?" "Was machen unsere Politiker?"
"Was können wir persönlich tun?" so
etwa lauteten einige Fragen. Axel Mayer bot das vorhandene
BUND-Informationsmaterial an und verwies auf die Wichtigkeit
eines massiven Bürgerprotestes gegen das Atommülllager
aus unserer Region. Er selbst könne nur informieren,
die Zuhörer seien nun am Zug, meinte er. Mit regem
Interesse wurde der Gründungstermin für eine geplante
Bürgerinitiative am 18. Januar nächsten Jahres
in Singen zur Kenntnis genommen.
Bericht und Photo: Reinhard Ebeling.
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