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Kein Kiesabbau im Ertenhag

Das Ertenhag, Teil des Landschaftsschutzgebietes Hegau, zwischen Hohenstoffeln und Hohenhewen gelegen, umfaßt ein beispielhaftes und geschlossenes Waldgebiet von ca. 150 ha. Sein Bestand zeichnet sich durch über 100 Jahre alte, gesunde Mischwaldkulturen und eine artenreiche und teilweise seltene Flora und Fauna aus. Im Westen grenzt das "Ertenhag" an das Naturschutzgebiet Binninger Ried.

Im Jahre 1990 ließ die Fa. Meichle + Mohr im Waldgebiet Ertenhag Probebohrungen und geoelektrische Messungen durchführen. Die Aufschlüsse im dortigen Gebiet scheinen so positiv ausgefallen zu sein, daß die Fa. Meichle + Mohr zwischenzeitlich ein Umweltverträglichkeitsgutachten über die Auswirkungen eines geplanten späteren Ausbaus in Auftrag gegeben hat. Öffentliche Äußerungen der Geschäftsleitung bestätigen das ernsthafte Interesse an einem Kiesabbau im Ertenhag.

Die Ankündigung des geplanten Kiesabbaues hat in der Bevölkerung von Welschingen des oberen Hegaus so gro8e Besorgnis und Unruhe ausgelöst, daß sich am 8. Nov. 1991 über 600 Bürger aus dem gesamten Oberen Hegau zu einer Informationsveranstaltung versammelte und einstimmig eine

Bürgerinitiative "Gegen den Kiesabbau im Ertenhag"

gegründet haben. Auch die BUND-Gruppe Engen gehört zu den Gründungsmitgliedern.

Wir wenden uns entschieden gegen den beabsichtigten Kiesabbau u.a. aus nachfolgend aufgeführten Gründen:

  • Ein intakter, etwa 150 Jahre alter Mischwaldbestand müßte zerstört werden. Das Vorhaben würde ein prägendes Landschaftselement im Landschaftsschutzgebiet "Hegau" und im Regionalplan Hochrhein-Bodensee ausgewiesenes Vorranggebiet für die Naherholung unwiederbringlich zerstören.
  • Das im Westen unmittelbar angrenzende Naturschutzgebiet "Binninger Ried" würde eine wichtige Pufferzone und ein lebensnotwendiges Saumbiotop verlieren. Durch die Abtragung des bewaldeten Höhenrückens ist mit einer nachhaltigen Veränderung des Grundwasserhaushaltes zu rechnen, wodurch die umliegenden Riedgebiete (Welschinger Ried und Binninger Ried) Schaden nehmen könnten. Auch ein möglicher negativer Einfluß auf die nahegelegene Trinkwasserversorgung "Hoher Randen" der Gemeinde Tengen ist denkbar.
  • Durch seine Lage im Südwesten von Welschingen stellt der bewaldete Moränenrücken des Ertenhags einen unverzichtbaren Windschutz für den Ort dar. Das Fehlen des Waldes könnte sich darüber hinaus nachteilig auf das Kleinklima und damit auch auf die landwirtschaftliche Nutzung im näheren Umland auswirken.
  • Kiesabbau von solchen Dimensionen, wie sie im Ertenhag zu erwarten sind, würde eine unzumutbare Zunahme des LKW-Verkehrs in Welschingen nach sich ziehen mit all seinen negativen Begleiterscheinungen wie Lärmbelastung und Gefährdung der Bewohner insbesondere der Kinder.

Fazit:

Ein Kiesabbau im Ertenhag wäre eine Katastrophe für die Naturlandschaft im oberen Hegau und die Lebensqualität in den umliegenden Gemeinden. Im Interesse der gegenwärtigen und der zukünftigen Generationen muß dieser Eingriff mit allen Mitteln verhindert werden. Die Gemeinde Welschingen hat in den letzten Jahrzehnten erhebliche Flächen für die Kiesabbau zur Verfügung gestellt. Durch die vergangene, ohne jede Bedarfsplanung nur nach Marktinteressen erfolgte Ausbeutung der Kiesvorräte im Hegau sind wir an eine Grenze gestoßen, die die Betreiber in zunehmendem Maße zwingt auch ökologisch wertvolle Gebiete in Angriff zu nehmen. Sie dürfen deshalb mit keinerlei Verständnis der betroffenen rechnen.

Da die Stadt Engen zu 80% Eigentümer der Flächen im Ertenhag ist, haben Stadtverwaltung und Gemeinderat das Schicksal des Gebietes selbst in der Hand. Sorgen wir als Bürger dafür, daß die Stadt nicht den Verlockungen des schnellen Geldes erliegt.

Eine Presseinformation der Bürgerinitiative zum Stand vom 07.12.2003 finden Sie hier


Im Jahre 1997 verstarb mit Albert Meichle einer der Initiatoren der Bürgerinitiative Ertenhag. Ihm zu Ehren hat die BUND-Gruppe im Ertenhag eine Eiche gepflanzt und eine Gedenktafel errichtet.