In Memoriam
Albert Meichle

Die BUND Gruppe hat zum Gedenken an den 1997 verstorbenen Forstoberamtsrat
a.D. Albert Meichle am 28. März 1998 im Ertenhag eine Eiche
gepflanzt und eine Gedenktafel errichtet. Herr Meichle hat sich
um den Natur-und Umweltschutz im allgemeinen und besonders um den
Erhalt des Ertenhags angesichts drohenden
Kiesabbaus große Verdienste erworben. Die Ehrung fand gemeinsam
mit dem Schwarzwaldverein statt, der an gleicher Stelle einen Gedenkstein
und eine Bank errichtet hat. BUND-Sprecher Bernhard Katzer würdigte
Albert Meichle im Rahmen einer schlichten Feier am 29.März
1998 mit folgenden Worten:
"Ich glaube Albert Meichle hätte seine Freude, wenn er
uns hier sehen könnte. Vertreter der Stadt Engen und des Gemeinderates
vereint mit Umweltschützern, Forstleuten und engagierten Bürgern
der Bürgerinitiative Ertenhag. Sie alle haben sich heute hier
versammelt, um ihn - und damit auch sein Wirken und seine Ziele
- zu würdigen. Sein Bestreben war es immer die Menschen zusammenzuführen
und nicht zu spalten.
Die Stelle an der wir hier stehen zeigt das Spannungsfeld in
dem sich Albert Meichle besonders hervorgetan hat, in idealer Weise
auf:
Gleich hier nebenan liegt eine der Bohrstellen, mit denen man
feststellen wollte, ob der Untergrund des Ertenhags geeigneten Kies
für die kommerzielle Nutzung enthält.
Dort drüben führt der Ludwig Finckh-Weg vorbei, der
an einen Mann erinnert, der sich schon in den 30er Jahren für
den Erhalt des Hohenstoffeln einsetzte und damit den ideellen und
ökologischen Wert der Hegau-Landschaft weit über die darunter
verborgenen materiellen Werte stellte.
Albert Meichle's Einsatz für den Erhalt des Ertenhag
ist die konsequente Fortsetzung des Wirkens von Ludwig Finckh. Albert
Meichle ist, wenn man so will, der Ludwig Finckh des Ertenhags.
Bis an die Grenzen seiner Kräfte setzte er sich für den
Erhalt dieses Höhenrückens ein, der für den Ort Welschingen
als Windschutz und für die Menschen im Hegau als Erholungsgebiet,
Wasserspeicher, ökologisches und landschaftsprägendes
Element so unverzichtbar ist. Ihm ist die Gründung der Bürgerinitiative
zum Schutz des Ertenhags zu verdanken, die nicht nur in Welschingen
sondern auch in den Nachbarorten breite Unterstützung findet.
Nie ging es Albert Meichle dabei allerdings um die Durchsetzung
politischer oder gar privater Interessen. Sein Engagement entsprang
ausschließlich seiner profunden Kenntnis ökologischer
Zusammenhänge, die er als erfahrener Forstmann mitbrachte sowie
seiner tiefen Liebe zum Hegau und den darin lebenden Geschöpfen.
Ich erinnere erinnere mich noch gut an eine Sitzung der BUND
Gruppe, in der Albert Meichle sichtlich bewegt seine Besorgnis über
die Situation der Bussarde artikulierte, die auch im Hegau in vielen
landwirtschaftlich genutzten Gebieten keine Ansitzmöglichkeiten
mehr fanden und daher in ihrer Nahrungssuche und so auch in ihrer
Regulierungsfunktion für den Mäusebestand stark eingeschränkt
waren. Die auf seine Initiative hin eingeleitete BUND-Aktion "Sitzstangen
für Greifvögel" fand überregionales Interesse und
war sogar dem Südwestfunk eine Reportage wert.
Sei es beim Amphibienschutz im Binninger Ried, bei Pflegemaßnahmen
im Jägertal und am Schoren oder bei der Anlage des Engener
Kräutergartens - Albert Meichle war immer aktiv dabei bis es
sein Gesundheitszustand nicht mehr zuließ. Er war es auch,
der zusammen mit seinem Freund Hermann Fix die lange und fruchtbare
Zusammenarbeit zwischen BUND und Schwarzwaldverein in Engen, die
sich ja auch hier und heute wieder dokumentiert, begründete
und pflegte.
Für die BUND-Gruppen Engen und Mühlhausen Ehingen
war Albert Meichle immer ein väterlicher Freund und sachkundiger
Ratgeber. Seine grundehrliche und uneigennützige Art hat ihn
zum Vorbild für uns alle gemacht.
Forstleute und Naturschützer denken nie kurzfristig sondern
immer in Generationen. Albert Meichle hat den Stab im Staffellauf
der Generationen an uns weitergegeben. Wir werden uns zusammen mit
dem Schwarzwaldverein und der Bürgerinitiative Ertenhag nach
Kräften bemühen, ihn in seinem Sinne weiterzutragen. Als
Symbol für das Weiterleben seines Wirkens haben wir gestern
hier eine Eiche gepflanzt. Wir glauben, daß ein so starker
und wertvoller Baum den Mann und standhaftes Wirken am besten symbolisiert.
Noch ist unsere Eiche klein und empfindlich. Sie wird - wie das
gesamte Ertenhag - unsere ständige Fürsorge und Aufmerksamkeit
erfordern, damit sie auch noch Generationen nach uns unbeschadet
hier stehen kann und zusammen mit dem Gedenkstein und der Bank des
Schwarzwaldvereins die Wanderer daran erinnert, daß Sie den
Erhalt der Hegaulandschaft und seiner Naturschönheiten Menschen
wie Albert Meichle verdanken."
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